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Woran erkennt man einen guten Geigenbogen?

Jede Note hinterlässt Spuren

Hallo Geigenforum seit fast einem halben Jahr habe ich nun keine Geige mehr 🙁 wegen FSJ musste ich meine geliebte Leih-Geige endgültig abgeben und möchte mir nun eine kaufen. Mein grösstes Problem ist woran erkenne ich ob ein Geigenbogen gut ist oder nicht? Ich habe früher immer einen neuen Bogen bekommen wenn ich eine grössere Geige bekommen habe (alles geliehen). Einmal hat mir meine Lehrerin auch einen anderen Bogen besorgt weil der, der bei der Geige dabei war nichts taugte. Der spielte sich auch wirklich besser. Aber worauf achte ich jetzt? Woran erkenne ich einen wirklich guten Geigenbogen? Und wieviel sollte ich mindestens ausgeben? Danke wenn jemand ein paar Tipps für mich hat 🙂

Autor:

Mitglied von violinorum.de

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für Eure Antworten, dann verlass ich mich auf mein Gefühl. Aber noch ne Frage: Was haltet Ihr von dieser Geige? Ich habe kleine Finger und komm mit ner kleinen besser klar, das könnte passen. Mir gefällt das helle Holz sehr fein, kann einer mit mehr Erfahrung sagen ob das was solides ist?

  2. chrisp

    Ich finde auch die sieht gut aus, dürfte den Preis wert sein, die Reparatur ist bestimmt kein Problem und eine gute Adresse ist das auch.

  3. Nun bin ich auch mal wieder da 🙂 mit neu-alter Geige und passendem Bogen, beides zusammen von einer neuen Freundin gekauft. Sie und der Geigenbauer, bei dem ich sie habe überholen lassen, sagen, dass beide aus Sachsen stammen (also Geige und Bogen **g**) und so um die 80, 90 Jahre alt sind. Anonym, son Stradivari-Ding, kennt Ihr ja. Aber sehr schön! Gottseidank spricht sie nicht, wo sie doch aus Sachsen stammt 😉 klingen tut sie wunderbar. Und ich kann wieder spiiiiiiiiiiielen!

  4. chrisp

    Auskennen ist zu viel gesagt 😉 wer kennt sich schon wirklich mit Bögen aus, das sind nur ganz wenige. Dieser Geigenbogen stammt aber bestimmt nicht von Buthod persönlich, der war soviel ich weiß ein Geigenbauer in Mirecourt, tief im 19. Jahrhundert. Sein Name wurde später von der großen Musikinstrumentenfabrik Jêrome Thibouville-Lamy (J. T. L.) als Marke geführt, und da gibt es etliche Bögen mit diesem Namen, meistens so aus den 1920er Jahren, meine ich. Sie sollen ziemlich gut sein und werden schon in dem Preisbereich gehandelt wie dieser. Bei dem Zertifikat sehe ich nicht, von wem es ist. Es ist wichtig, dass es von einem anerkannten Experten kommt, dann ist auch egal ob handschriftlich oder in Stein gemeißelt 😉 Wenn es aber von Raffin, Millant oder so jemandem geschrieben wurde, ist es eine sehr gute Referenz. Einfach mal den Verkäufer fragen!

  5. Violine

    das is ne echt gute frage xD ich kenne mich da selbst nicht wirklich aus. ich war lange auf Bogensuche. Da mein alter einfach nicht zur Geige passte. Ich hab 4 Bögen ausprobiert bis ich an meinem den ich jetzt seit 3jahren habe hengen geblieben bin. Der Bogen war neu und kostete 970€. Er ist aus einem Stück gemacht. ich denke es ich wichtig das er zu deine Geige passt und du dich damit wohl fühlst. vllt sollte man auch darauf achten wie sorgfälltig der Bogen gearbeitet ist, wie Haare aufgezogen sind und so. Wieso gehst du nicht einfach zu nem Geigenbauer in deiner Nähe und informierst dich bei dem? Ich denke so ab 500€?Bei meinem Bogen habe ich sofort gewusst das es der passende ist, er lässt sich super spielen udn gleitet über die Seiten wie Butter, ist wundervoll verarbeitet. Lässt sich auch leicht spannen und abspannen. Liegt auch angenehm in der Hand. omg ich liebe meinen bogen XD. Keine Ahnung vllt erzähl ich dir grad auch voll den Quatsch. ich berichte nur wie es bei mir war >_< Ich wünsche dir wirklich ganz viel erfolg bei deiner suche, und viel Spaß dann damit.

  6. chrisp

    Das ist echt schwer, teufelsgeige, für Bögen gibt es noch weniger echte Experten als für Geigen. Das liegt auch daran weil Bogenmacher immer im Schatten der Geigenbauer standen, da haben sich nur wenige einen echten Namen gemacht, die meisten haben für größere Händler oder auch Geigenbau-Werkstätten gearbeitet. Die Stempel auf vielen Bögen sagen auch nicht wirklich etwas aus, weil man die paar berühmten Namen (Dodd usw.) die es gab „gern weiterverwendet“ hat 😉 Selbst wenn ein Bogen schön ausgestattet ist, also Frosch mit Silber oder Gold montiert, Wicklung aus Silber- oder Golddraht, Elfenbein-Kopfplatte usw. sagt das nicht unbedingt viel darüber aus, wie sich das gute Stück spielt. Es gibt ganz billige Geigenbögen, die äußerst brauchbar sind – und sündhaft teure Sammlerstücke, die funkeln und blitzen, aber eben mehr was für die Vitrine sind. Da hat Violine recht, er muss passen und du musst gut damit spielen können. Außerdem sollte er natürlich in Ordnung sein – keine Risse/Brüche, Schraube soll gut laufen und so. Preislich kann man keine pauschalen Aussagen treffen. Wenn Du einen echten Sartory haben willst, bekommst Du ganz sicher einen verdammt guten Bogen, ab gefühlt 10.000 Euronen aufwärts. Ein guter No-Name aus Markneukirchen ist oft deutlich unter 500 Euro zu haben, ich hatte schon welche für 150 in der Hand, die zehnmal so teure Exemplare locker toppen.

  7. Hallo teufelsgeige, die sieht doch sehr nett aus! Bei Geigen aus Mirecourt kommt es drauf an, ob man Massen-Mist erwischt oder was gutes, was aber nicht teuer sein muss. Das kann ich über eBay natürlich auch nicht beurteilen aber ich kann Dir sagen dass der Anbieter vollkommen in Ordnung und verlässlich ist. Wenn die sagen sie klingt gut, ist das sicher kein Quatsch. Guck bei denen ruhig auch mal nach Bögen. Aber bist Du sicher mit der 3/4 Größe?

  8. Kennt sich hier jemand auch mit französischen Geigenbögen aus? Ich habe dieses Angebot gefunden und weiß gar nichts über diesen „BUTHOD“. Ist er ein empfehlenswerter Bogenmacher? Ist der Preis angemessen? Ich danke herzlichst für jeden Rat!!!

    Und was ist mit diesem Zertifikat, ist so ein Hand geschriebener Zettel etwas Wert?

  9. Die Hauptparameter beim Bogenspiel sind
    • Haare
    o Art / Herkunft
    o Breite der Behaarung
    • Masse
    o Gewicht
    o Schwerpunktlage
    o Trägheitsmoment
    • Spannung/Spannkraft bei einer Stangendicke Abstand zur Behaarung
    o Springfreude
    o Flatterneigung
    • Dämpfung > verringert Flatterneigung

    1) Tests immer im Direktvergleich; Geige gut eingestellt; mit gutem Kolophonium drapiert..
    2) Frequenzgang (langsame Tonleitern und einfache Stücke / laut & leise)
    a) Grundtonstärke
    b) Obertonreichtum
    c) eher heller / dunkler Klang
    d) Rauscharmut
    3) Ansprache:
    a) große Bogengeschwindigkeit:
    i) Wird die Geige überfordert/übersteuert/aggressiv rauh?
    ii) geht das nur mit Gewalt/starkem Druck?
    b) langsames Entwickeln schönen Tons: “saugt” der Bogen die Saite gut aus? Kommt der Ton sofort?
    c) Wechsel kritischer Töne: a-Saite-cis & dis auf leere e-Saite: Aussetzer/Fiepser?
    d) Kantung: Spiel auf wenigen Haaren: Ist ein Piano damit rauscharm bei gleichem Frequenzgang? Auch große Bogengeschwindigkeit testen!
    4) Führung/Kontrollierbarkeit
    a) Trägheit / Schwerpunktlage bzw. Balance
    i) schneller Gang über alle Saiten testen, hoch&runter
    ii) schnelle Wechsel über je zwei Saiten testen, auch als Springbogen
    iii) an der Hand mal auswiegen: über den Schwerpunkt kippen, hin & her
    b) Springbogen: Beherrschung gegenüber Lateral-Eigenleben
    c) Detache am Schwerpunkt testen bei variablem Bogendruck und -geschwindigkeit: fängt der Bogen stark an zu flattern? Das spräche für Springfreude, aber ist das Flattern bei gezogenem Ton leicht beherrschbar/unterdrückbar/hörbar?
    d) Froschspiel: Kann man das volle Gewicht des Bogens gut halten? Wird auch hier ein Saitenwechsel schnell genug realisierbar?
    e) Spitzenspiel und Mitte: reagiert der Bogen flexibel auf die eigene Änderung des Bogendrucks? Ist er da noch “weich” genug?
    f) Kantung: Lässt sich der Bogen auch gekantet gut führen (lateral)? Bleibt noch Reserve für Variationen des Bogendrucks?
    g) Griff: Lässt sich der Bogen am Frosch gut greifen, passt das zur Hand?

    Erfahrungen:
    • breitere Behaarung ergibt lauteres Ergebnis bei oft größerer Spannung. Dafür rauscht es mehr, und der Ton wird aggressiver.
    • ein sehr leichter Bogen fliegt wie von selbst, ist aber i.d.R. weicher …
    • weiche Bögen lassen im Piano-Bereich sensiblere Klanggestaltung zu, setzen aber bei Bogendruck zu schnell auf, so dass sehr lautes Spiel, erst recht Rubato nur mit Stangenberührung möglich ist. Also geht dann die vertikale Führung so gut wie verloren. Daher werden diese meist hoch gespannt, was dann wieder Richtung hartem Bogen variiert.
    (Bitte auch Verbiegung der Stange durch Spannung kontrollieren, Sicht von oben)
    • ein nicht zu leichter Bogen erleichtert die Ansprache beim Springbogen, da die vertikalen Massenkräfte über das Eigengewicht höher sind.
    • Die Behaarung ist sehr entscheidend für den Klang. Selbst neue Haare schlechter Auswahl ruinieren einen guten Bogen im Spieleindruck.
    • Ein Kohlefaser-Bogen ist eher schwer, hat sensationelle Spannkraft aber wenig Dämpfung und zu wenig Restflexibilität. Meist sind sie auch breit behaart. Das Ergebnis sind Springfreude, große Lautstärke, höheres Rauschen und Aggressivität, teils Übersteuerung Richtung Rubato und nicht unbedingt gute Ansprache beim Springbogen.
    • Tatsächlich ist mein neu gefertigter Original-Albert-Nürnberger- 5000€-Bogen (siehe Bilder oben) besser als getestete 2500€-Exemplare.
    o Trotzdem muss der Bogen zum Spieler und zur Geige passen.
    o Der erste Vergleichseindruck war nicht spektakulär, weder im Klang noch in der Spielbarkeit. Aber trotz der subtilen Verbesserung in diesen Bereichen begeistert der teurere Bogen, überzeugt. Man will ihn haben.
    Die perfekte Balance lässt ihn von selbst springen, … wenn man will, also bei ausreichender Dämpfung. Die Ansprache ist sauber beim Springbogen, kaum kratzen, und extrem “saugend” im Strich. So hart, dass nur bei Fortississimo die Stange bei den Haaren leicht aufsetzt und starker Druck an der Spitze perfekt umgesetzt wird. Gleichzeitig flexibel genug, um -ganz sensibel- feine Druckunterschiede in die Stange zu geben. Auch die “Rückmeldung” in die Hand ist sensationell, erlaubt und fordert ganz neue tonale Ausdrucksmöglichkeiten. Der Bogen lässt sich sehr gut greifen und führen.
    o Zu einer teuren Geige gehört auch ein teurer Bogen. Meine Idee: Bogenpreis > ¼ Geigenpreis. (In meinem Falle sind es fast 50%!!!!)
    o Der teure Bogen, mit Expertise und guter Provenienz, lässt sich in der Regel wertverlustfrei wieder verkaufen.

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